Pfarramt Waldbrunn-Lahr 06479/325

Krankensalbung

„Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete

 über ihn sprechen und ihm im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ Dies lesen wir im Jakobusbrief des Neuen Testaments.

Krankheit und Leid stellen uns vor schwere Fragen. Krankheiten betreffen den Leib, aber auch Seele und Geist; die ganze Person des Menschen ist in Mitleidenschaft gezogen. Ängste und Niedergeschlagenheit sind oft deren Begleiterscheinungen. Auch Beziehungen zu anderen Menschen können gestört werden.

Seit jeher messen die christlichen Gemeinden dem Besuch der Kranken und der Sorge für sie große Bedeutung bei. Gott überlässt uns nicht der Krankheit und ihrer Not, ohne uns ein wirksames Zeichen seiner heil bringenden Gegenwart zu schenken: Die Krankensalbung.

Jesus selbst hat den Auftrag dazu gegeben (vgl. Mk 16, 18; Mk 6, 13; Lk 9, 1ff).

Wenn die Ärzte auch viele Krankheiten heilen können, so ist Jesus allein in der Lage, Krankheit und die Sünde radikal zu überwinden. Das Sakrament der Krankensalbung ist das Zeichen dieser Gnade. Dieses Zeichen heilt und erlöst. Sie soll aber die medizinische Behandlung nicht ersetzen.

Das Gebet der „Ältesten“ (Bischöfe und Priester) und die „Salbung“ kündigen die Gestalt an, die das Sakrament nach und nach annimmt; der Glaube der Kirche und der gläubigen Kranken vereinen sich, damit Seele und Leib heil werden. Jesus Christus berührt sozusagen den daniederliegenden Menschen; er rettet ihn und richtet ihn auf. Die Krankensalbung schafft somit sicher gute Voraussetzungen, dass auch die ärztliche Heilbehandlung wirksam werden kann.

Bei der Krankensalbung handelt es sich um die Fortsetzung des biblischen Krankendienstes Jesu und seiner Apostel. Sie darf aber nicht als „Sakrament der Todesweihe“ und als eine Art amtlicher Besiegelung des bevorstehenden Todes gesehen werden. Sie ist ein Sakrament der körperlichen und seelischen Aufrichtung des Kranken, ein Sakrament der Hilfe und Heilung und ein Zeichen der Nähe Gottes in Zeiten der Krankheit und Schwäche.

Im Laufe des Mittelalters hat sich leider eine bedenkliche Praxis herausgebildet. Weil man das Bußsakrament möglichst bis in die Todesstunde hinausschob, um auferlegten harten Bußen zu entgehen, geriet das Sakrament der Krankensalbung immer mehr in die Nähe des Todes, da man es erst im Anschluss an die Beichte spenden zu dürfen glaubte.

Im 12. Jahrhundert kam der Name „Letzte Ölung“ auf, um die Krankensalbung zu einem Sakrament der Sterbenden umzudeuten; eine Deutung, die sich bis in unsere Zeit erhielt. „Letzte Ölung“ bedeutete ursprünglich, dass sie Salbung der Kranken in der Zeitabfolge die letzte der Salbungen sei, nach denen der Taufe, der Firmung und der Priesterweihe.

In den letzten Jahrzehnten kam es zu einer pastoralen Erneuerungsbewegung in Folge des II. Vatikanischen Konzils. Der Begriff „Letzte Ölung“ wurde ersetzt durch „Krankensalbung“.

Die Krankensalbung kann den Kranken vor Mutlosigkeit und Verzweiflung bewahren und ihm Gelassenheit und Frieden schenken. In der Linderung oder Heilung der seelischen und geistigen Not gibt es nicht selten auch positive Auswirkungen auf den Gesamtverlauf der Krankheit. Der Mensch ist ja ein „psychosomatisches Wesen“ - eine Einheit aus Leib und Geist. Seelische Aufrichtung begünstigt die leibliche Gesundheit sicher ganz entscheidend.

Beim Sakrament der Krankensalbung werden zwei Zeichen verwendet:

Die Salbung mit geweihtem Öl auf Stirn und Hände. Sie sind zentrale Ausdrucksfelder des menschlichen Körpers. Im Altertum haben sich Ringkämpfer mit Öl eingerieben, damit der Gegner an ihrer glatten Haut nicht zupacken konnte. Der Feind in der Krankheit ist die Angst oder Resignation, der Unglaube. Sie sollen den Kranken nicht packen können, der im Sakrament die helfende Nähe Gottes ausführt.

Die Handauflegung bzw. die Ausbreitung der Arme über den Kranken. Das ist eine Schutz- und Segensgeste und verdeutlicht das betende Einstehen der Gemeinde für den Kranken.

Die Krankensalbung kann gespendet werden:

  • bei jeder Krankheit, nicht erst in Todesgefahr
  • auch bei alten Menschen ohne akute Krankheit
  • auch an Kinder und Jugendliche in Krankheit
  • öfters als nur einmal im Leben
  • zuhause im Kreis der Familie
  • beim gemeinsamen Krankengottesdiensten in der Kirche.

Wer die Krankensalbung wünscht, soll dies jeweils bekannten Nachbarn, den Krankenschwestern oder direkt dem Pfarramt mitteilen.

Das glaubensstarke Gebet selbst kann „Berge versetzen“, so sagt Jesus (Mt 21, 21 und Mk 11, 23).

Schließlich wirkt sich die Gnade dieses Sakraments auch im alltäglichen Leben einer Gemeinde aus; sie weckt und stärkt die Bereitschaft, für die Kranken zu sorgen, und sie macht bewusst, welche Aufgaben die Kranken in der Gemeinde haben. Sind nicht viele von ihnen große Beterinnen und Beter, die für uns alle eintreten?     

In Waldbrunn wird jährlich am Samstag vor dem 4. Fastensonntag in einem Tischgottesdienst das Sakrament der Krankensalbung gespendet.

Für die Bewohner des Altenheimes in Hausen wird ein gemeinsamer Gottesdienst mit Spendung der Krankensalbung am Samstag vor dem 3. Adventsonntages gefeiert.

Bitte scheuen Sie sich nicht, selbst oder durch Ihre Angehörigen im jeweiligen Pfarramt zu melden und einen Priester zu rufen. Die Gebete die zur Salbung gebetet werden sollen dem Kranken und seinen Angehörigen Trost und Stärkung geben.